Indien, 9. – 16. Januar, Reise mit Schwester Hatune

Indien, 9. – 16. Januar, Reise mit Schwester Hatune

Ein bunter Reisebericht über den Besuch von Schwester Hatune in Indien

Indien hat tausend Gesichter. Manche kann man einfangen, fotografieren, aber viele kann man einfach nur erleben.

Die Menschen hier sind unglaublich offen und wenn eine Nonne von einer weißen Europäerin durch die Gegend gefahren wird, schauen viele Inder zwei mal hin, weil sie ihren Augen nicht trauen und man bekommt Angst, dass sie vom Moped fallen oder einen Unfall bauen, wenn sie uns wahrnehmen. Es ist immer wieder spannend, wie lang ein kurzer Weg durch das Chaos dauern kann, denn der Inder hält sich beim Fahren an absolut gar keine Regel. Es stehen zwar überall Schilder, dass man sich an die Regel halten soll… welche auch immer das sein sollen… aber ich konnte keine Regel in dem Chaos erkennen.

Am Montag haben wir ganz profane Dinge getan, zumindest äußerlich. Das Erste am Tag, was Hatune immer tut, ist morgens in den Garten zu gehen und Früchte zu pflücken. Da der Garten so groß ist und es so viele reife Früchte gibt, nehmen wir im Lauf des Tages immer Früchte mit, um sie zu verschenken. Und da wir hier keinen Urlaub machen, müssen wir auch den Haushalt selbst organisieren. Einkaufen ist hier immer wieder spannend. Die Hinfahrt, die Rückfahrt, das Parken. Das alles fordert gute Konzentration von einem Europäer. Diesen Montag haben wir nicht nur Lebensmittel gekauft, sondern auch Stoff, mit dem Hatune Kopfbedeckungen für orthodoxe Priester näht. Und Hatune hat eine Angel besorgt. Immerhin hat es im Garten viel Wasser mit tollen Fischen, die man essen kann. Durch die Selbstversorgung ist es zwar alles sehr einfach, ganz ohne Luxus, aber es ist auch günstig. Und man weiß, dass die Früchte nicht gespritzt sind. Das ist natürlich ein Vorteil, wenn man vieles im Garten hat, was man so braucht.

Nach Einkauf und Mittagessen, haben wir uns gemeinsam an den Tisch gesetzt, haben Früchte geputzt und klein geschnitten und damit einen Sirup angesetzt. Die Früchte wachsen hier im Garten von Tur-Abdin. Zusammen mit Kardamom, Nelken und Zucker, entsteht ein Sirup, der rein pflanzlich gegen erhöhte Cholesterinwerte eingesetzt wird. Hatune verteilt diesen Sirup an Arme, die sich keine Medizin leisten können.

Am Dienstag fuhren wir nach Ranny. Auf dem Weg dorthin, haben wir kurz bei Bischof Gregorius reingesehen und ihm einige Sternfrüchte dagelassen. Hatune muss auch vorOrt viele Kontakte pflegen, weil viele christliche Inder gute Spender sind, und wenn sie hier in Indien ist, erwarten diese Spender dann auch, dass sie wenigstens kurz mal mit Schwester Hatune reden können. In Ranny haben wir Jancy abgeholt und ich durfte mit ihrem Auto weiterfahren. Spannend, wer mir alles sein Auto anvertraut. Aber da Hatune meinen Fahrstil über die Maße lobt, wollen die Inder das immer ganz gern mit ihren eigenen Augen sehen. Also hab ich einen kleinen Ford mit 6 Personen durch Ranny gefahren.

Das Treffen in der PJ Hall in Ranny war wirklich schön. Jedes Treffen beginnt erst mal mit einem gemeinsamen Gebet. Auch die Mädchen, die hinduistischen Glaubens sind, beten mit. Es ist immer eine Augenweide, die farbenfrohen Saris der Inder zu sehen. Und schon alleine weil die Inder solch eine schöne dunkle Haut haben, können sie wirklich alle Farben tragen und es sieht absolut fantastisch aus. Hatune hat eine mutmachende Rede für die Mädchen der Näh- und der Computerschule gehalten. Nicht nur darüber, dass sie stolz ist auf jede Frau, die hier lernt um ihren eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, sondern auch immer ein wenig mit dem Blick auf den Nahen Osten und dem, was sie dort erlebt und gesehen hat. Sie möchte auch die Menschen in Indien sensibilisieren für die kämpferische Natur und die tödliche Seite des Islams. Die jungen Frauen selbst haben Lieder und Tänze vorbereitet und waren unglaublich stolz, diese vorführen zu dürfen. Nach dem offiziellen Programm hat Hatune wieder Kilos an Sternfrüchten aus dem Garten in Tur-Abdin verteilt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir die alle los bekommen, weil es wirklich viele waren, aber die Mädchen haben sich sehr über die Früchte gefreut.


Nach dem Treffen in der Veranstaltungshalle sind wir noch zu einer Gruppe Mädchen hoch in die Nähschule, die ihre Arbeit zeigen wollten. Auch dort hat sich Hatune persönlich Zeit genommen für die Mädchen. Nicht nur um ihre Arbeit zu bestaunen, sondern die jungen Frauen konnten auch Fragen stellen. Schwester Hatune hat auch einen neuen Sari bekommen (ich stelle mir gerade Schwester Hatune in einem Sari vor. Wäre bestimmt mal lustig), da sie aber immer nur ihre Tracht trägt, wird sich jemand, der selbst kein Geld hat, über diesen Sari freuen können, denn Hatune wird ihn verschenken. Unter der Nähschule ist auch noch eine Computerschule. Auch dort haben wir kurz hinein gesehen. Zwei der Rechner müssen dringend von einem Techniker wieder auf Vordermann gebracht werden, aber sonst klappt alles dort sehr gut. Durch die Ausbildung am Computer können die Mädchen in einem Büro oder ähnlichem arbeiten gehen. Das ist ein sehr guter Beruf für Frauen hier in Indien. Auf dem Weg nach Unten, blieb uns nichts anderes übrig, als mit den Mädchen in der Halle zu Essen. Hatune hatte einmal sehr schlechte Erfahrungen mit dem Essen hier in Indien gemacht, weil die Hygiene der Inder, absolut nichts mit der Hygiene zu tun hat, die wir als Europäer gewohnt sind. Darum hat sie immer Sorge, dass es ihr wieder auf den Magen schlagen wird. Aber Jancy versicherte ihr, dass das Essen aus einer sehr sauberen Küche kommt. Also haben wir noch gemeinsam mit den Mädchen gegessen und haben uns danach verabschiedet, weil wir noch einen langen Weg hatten.

Wir sind auf dem Rückweg noch zu 5 Häusern gefahren, die mit Hilfe von Spendern gebaut wurden. Das ein oder andere Haus war noch nicht ganz fertig, aber die stolzen Besitzer waren immer vor Ort und haben sich sehr über den spontanen Besuch von Schwester Hatune gefreut und die Schilder der Spender wurden immer am Eingangsbereich angebracht. Jancy organisiertgemeinsam mit einer großen Gruppe Freiwilliger im Bereich um Ranny die Baustellen und die Spenden, die die Hatune Stiftung sammelt, und sorgt vor Ort dafür, dass alles auch wirklich ankommt und die Menschen endlich ein Dach über dem Kopf haben.

Aber nicht nur das. Jancy setzt auch viel Zeit ein, für alles weitere, was die Stiftung vor Ort tut. Auch medical Camps werden gemacht, wenn Schwester Hatune nicht in Indien ist, sondern gerade im Nahen Osten oder vielen weitern Ländern unterwegs ist. Hatune bringt bei ihren Reisen nach Indien immer kofferweise Medikamente mit. Auch für so etwas ist Jancy eine wunderbare Hilfe.

Am Mittwoch musste wir für einige Besorgungen nach Kottayam fahren, und wer den indischen Verkehr kennt weiß, dass ein paar Kilometer immer viel Zeit beanspruchen. Ich
habe als Fahrerin von Schwester Hatune keine Probleme mit der aggressiven Fahrweise der Inder, weil ich mich sehr gut anpassen kann, aber ich bin doch jeden Tag glücklich, wenn nichts passiert ist und wir wieder heil ankommen. Zum Mittagessen wurden wir eingeladen und der Tag verging mit einigen Begegnungen und viel Zeit im Auto. Gegen Abend wurde Hatune bei Pater Rijo in ein christlich geführtes Krankenhaus eingeladen, um ein wenig über den Nahen Osten zu berichten. Der Raum war bis zum letzten Platz gefüllt mit Studenten des Krankenhauses. Hatune differenziert in ihren Berichten sehr genau was sie über „den Islam“ sagt. Trotzdem gab es zum Schluss eine Diskussion über den Islam und ob Hatune da etwas falsch dargestellt hat. Schwester Hatune stellte sich gern diesen Fragen. 15 Muslime waren sehr bewegt und fühlten sich berufen, den Islam zu verteidigen. Dies Diskussion ging ziemlich lange, weil Hatune sich natürlich auch für die Fragen dieser jungen Muslime Zeit nahm. Im Anschluss daran wurden wir von den Padres, die Abteilungsleiter der verschiedenen Stationen im Krankenhaus sind, zum Essen imUntergeschoss des Hospitals eingeladen.
Es waren sehr interessante Unterhaltungen, weil ein Padre sogar sehr gut Deutsch sprechen konnte. Und sogar ihre Namen konnte ich mir merken, möglicherweise weil John
und Josef bei uns sehr geläufige Namen sind. Die meisten anderen indischen Namen entfallen mir leider viel zu schnell. Schwester Hatune fällt das nicht so schwer.

Am 12. Januar waren wir wieder in Ranny. VergiesMattey hat neben seinem Haus einen kleinen Veranstaltungsraum gebaut und dort fand ein „free medical Camp“ statt. In Berufung auf Matthäus 25, 35ff, „denn ich hungerte, und ihr gabet mir zu essen; mich dürstete, und ihr tränktet mich; ich war Fremdling, und ihr nahmet mich auf; ich war nackt, und ihr bekleidete mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich…“ gibt es regelmässig solche medizinischen Camps, die an verschiedenen Orten statt finden, damit die Menschen aus der näheren Umgebung dort, die Chance haben, einmal einen Arzt zu sehen und vielleicht auch Medizin zu bekommen, wenn sie die benötigen.

Das bedeutet, die Menschen aus der Gegend, die sich keinen Arzt leisten können, kommen zu diesem Camp, und werden durchgecheckt. Und keiner schaut, welchen Glaubens sie sind, Soweit es geht, bekommen sie Medizin und Beratung von den Ärzten,
die mit vor Ort waren. Hatune hat bei ca. 270 Leuten Blutdruck und Blutzucker gemessen. Danach gingen die Menschen zu den beiden ehrenamtliche mitarbeitenden Ärzten, die manche Patienten dann tatsächlich aufgefordert haben, in nächster Zeit ins Krankenhaus zu kommen, um weitere Untersuchungen zu machen, die sie nicht bezahlen müssen. Das übernimmt die Stiftung, oder auch das Krankenhaus selber stellt keine Rechnung, weil auch die ein oder anderen Krankenhäuser immer wieder kostenlos Patienten helfen. Nicht alles kann ich so einem Raum behandelt werden und manchen müsste man Blut abnehmen um bestimmte Werte zu ermitteln. Es kam auch eine Mutter mit einem behinderten Kind, weil sie auch um finanzielle Hilfe gebeten hat, damit es leichter wird. Das Kind ist schwerbehindert und braucht rund um die Uhr Versorgung. Ihr wurde erklärt, dass sie sich bitte in der Office meldet, weil so etwas dort von Aleyas und seinem Team koordiniert wird.

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Ein Mann hatte so verkrümmte Beine, dass er nur auf den Knien gehen konnte. Auch er kam irgendwie mit Hilfe ins medical Camp. Das ist nicht immer selbstverständlich, weil behinderte Menschen es in Indien besonders schwer haben. Wer die Straßen hier kennt weiß, dass ein Rollstuhl ein Ding der Unmöglichkeit ist. Damit würde man nicht weit kommen. Und in den Köpfen der Menschen ist trotz Christentum oft noch das alte Kastendenken. Das heißt, einer der heute leidet ist selber Mitverursacher, da er in seinem vorigen Leben etwas Schlimmes getan haben muss. Auch wenn Christen hier nicht an Wiedergeburt glauben, ist das nicht aus ihren Köpfen zu bekommen.

Die Stiftung selbst macht keinen Unterschied, wem geholfen wird. Auf diesen Camps bekommen alle Hilfe. Muslime genauso wie Hindus. Christen genauso wie Menschen von Naturreligionen. Gottes Wort beauftragt, den Menschen zu helfen. Nirgendwo steht geschrieben, dass man nur bestimmten Menschen helfen soll. Die Schwester Hatune Stiftung missioniert nie mit Worten hier. Das ist sogar offiziell verboten in Indien. Hatune und ihre Mitarbeiter missionieren mit ihrer Liebe und den Taten, die sie für jeden Menschen machen, ohne Blick auf seine Herkunft.

Die überwiegende Anzahl von Patienten, die zum Camp kamen, waren Frauen. Männer wollen sich auch in Indien nicht eingestehen, dass sie vielleicht krank sind. Dazu ist ihr Ego viel zu groß. Der ein oder andere Mann wurde von seiner Frau gebracht. Aber es waren kaum 10 Männer da, dabei betrifft Diabetes oder Bluthochdruck sehr wohl auch viel Männer. Diabetes ist zur Volkskrankheit geworden in Indien. Es gibt eigentlich nur Weißmehlprodukte, oder sogar Brot, das noch extra Zucker enthält. Ein Land, in dem so viel Gutes wächst und die Leute nehmen das ungesunde Essen zu sich.

Am Freitag brachte uns die Lehrerin aus Tur-Abdin, die die Mädchen hier im Haus im Nähen unterrichtet zu einer neuen Schule in Pandalam bei Aleppy. Alleine hätten wir das nicht gefunden, denn es ging wieder über sehr enge Straße, wo zwei kleine Autos nur an Einfahrten aneinander vorbei kommen. Dazu kam noch, dass wir nicht über einen Brücke über den Fluss fuhren, sondern ein Schiff mit einem Anbau nutzten, um hinüber zu kommen. Ich sage bewusst nicht Fähre, denn eine Fähre sieht anders aus. Das war ein Personenschiff, an das zwei Fischerboote angebaut wurden, auf dem eine Plattform für Autos und Mopeds usw installiert wurde. Spannend. Aber wie man sehen kann, hat es hin u n d w i e d e r z u r ü c k geklappt und wir gingen nicht baden. Die Mädchen hatten wieder ein schönes Programm vorbereitet mit Tänzen, Gesang und noch viel mehr. Hatune hielt wieder eine Ansprache, über Mut, Selbstdisziplin, Hilfe zur Selbsthilfe und ein wenig über den Nahen Osten. Am Schluss solcher Veranstaltungen wollen die Mädels immer Bilder haben mit der weißen Frau aus dem Westen, die ihnen diese Ausbildung ermöglicht. Die Freude über ein Selfie mit Hatune ist immer sehr sehr groß. Außerdem lassen sich sogar Hindus ausgesprochen gerne von Schwester Hatune segnen. Ich denke, auch wenn sie einen anderen Glauben haben, es wird viel in ihrem Herzen bewegen. Nachdem eine ums Gebet gebeten hatte, kamen noch einige der Mädchen und wollten sich segnen lassen von Hatune. Wow, es bewegt auch mein Herz, diese jungen Frauen zu sehen, die sich selbst eine Zukunft aufbauen können und hoffentlich helfen, Indien mit zu verändern.

Auf dem Rückweg zu Tur-Abdin mussten wir noch tanken, weil wir doch immer sehr viel unterwegs sind war nämlich der Tank leer. An dieser Tankstelle arbeitete eine der ehemaligen Schülerinnen von der Hatune Stiftung. Die Mädchen, die die Schule hier verlassen und ihr Zertifikat bekommen, bekommen nicht nur in Nähfabriken in ganz Indien eine Anstellung, sie bekommen auch leichter einen anderen Job, denn die Inder hier wissen dieses Zertifikat zu schätzen. Die Mädchen lernen nämlich auch Sauberkeit und gute Umgangsformen. Und dieses Mädchen an der Tankstelle hat mit diesem Job ein gutes Einkommen und näht in ihrer Freizeit, um noch etwas mehr zu verdienen. Später wollten wir eigentlich noch eine Familie in Thiruvalla besuchen, aber wieder einmal brauchten wir 3 Stunden für 4 km, weil dort gerade Baustellen sind und der Inder nicht eine brave Schlange bildet, wie man das in Deutschland tun würde, sondern es bildet sich am Ende eines Staus immer ein Pulk, so dass der Gegenverkehr oft gar nicht weiter kommt. Bis sich dieses Chaos (große Busse und LKWs inklusive) wieder aufgelöst hat, ist das oft Millimeter Arbeit, bis sich wieder etwas bewegt. Wir versuchen es auch zu vermeiden, nachts zu fahren. Nicht weil wir Angst vor den Indern haben, sondern weil jeder Inder mit Fernlicht fährt und es keine Straßenbeleuchtung gibt, teilweise auch keine Fahrbahnmarkierungen und die Menschen laufen ja auch einfach auf der Straße… Alles hier ist sehr unübersichtlich, besonders in der Nacht.

Am Samstag sind wir dann morgens um 5.15 Uhr aus den Betten gefallen, weil wir Pater Severios in sein Kloster begleitet haben. Dort hat Hatune geholfen, den Eucharistiefeier zu gestalten. Dieses Kloster ist mitten im Wald, auf einem Berg, fern ab von den Städten. Aber es gibt auch dort in der Region genügend Arme, die dort eben ihr Haus gebaut haben. Severios und Kurjakus, sein geistlichter Begleiter, unterrichten diese Leute in Lesen und Schreiben, sie teilen mit ihnen ih Wasser, auch wenn es oft knapp wird für alle und bekommen für ihre Dienste an den Leuten vor Ort immer wieder etwas zu Essen geschenkt, was die Leute so anbauen. An diesem Morgen war auch ein gemeinsames Frühstück geplant. Sie hatten aber selbst nicht mal Brot, also gab es ein einfaches indisches Gericht und ich hab einige Bananen gegessen. Das einfache reicht völlig aus, wenn die Gemeinschaft schön ist.

Danach sind wir zu Professor Dr. Dr. Dr. Thomas Kunamakl gefahren. Er gilt als ein lebender Mystiker in der syrisch katholischen Kirche. Leider ist er in der Zwischenzeit an Parkinson erkrankt, was ihn aber nicht davon abhält, wunderschöne aramäische Schriften in Steine zu meisseln und sich viele Gedanken über die Gestaltung ihrer kleinen Anlage zu machen. Sie haben sogar Übernachtungszimmer gebaut, die noch nicht ganz fertig sind, aber man kann schon erkennen, wie schön es dort sein wird. Sie haben auch eine wunderschöne kleine Kapelle gebaut, die vom Altar aus den Blick auf ein Steinkreuz im Garten lenkt. In diese Kapelle kommt man nur durch sehr niedrige Türen, damit man die Kapelle mit einer
Verbeugung betreten muss.

Wir konnten leider nicht lange bei ihm bleiben, weil Severios einen Termin wahrnehmen musste. Er war auf eine christliche Veranstaltung eingeladen und musste dort einen Vortrag halten. Auch Schwester Hatune wurde spontan eingeladen ein paar Worte über ihre Arbeit zu sagen. Dort lernte sie auch K. Roy Paul kennen, den ehemaligen Chairman von Air India. Ein tiefgläubiger Mensch, der viele Praktiken in verschiedenen Bereichen in Indien sehr klar auf den Punkt brachte und aussprach. Leider hatten alle nicht viel Zeit, um richtig lange und ausführlich über alles zu sprechen, was ihnen auf dem Herzen war, aber Schwester Hatune nahm ihm das Versprechen ab, dass er sie noch in Tur-Abdin besuchen muss, bevor sie wieder geht. Der Kontakt ist gemacht und ich denke, der wird auch nicht so schnell abreissen.

Den Sonntag nutzten wir um einigen Besuche zu erledigen. Zuerst gingen wir zu einer sehr armen Familie, die direkt neben tollen Häusern in einer Unterkunft lebt, die so aussieht, als würde sie jede Minute auseinander fallen. Schwester Hatune kennt diese Familie schon länger und die Stiftung versucht ein eigenes Stück Land für sie zu bekommen, damit sie ihnen dort ein Haus bauen können. Wir trafen nur die Großeltern mit ihrem Enkelkind an, weil die Mutter vor kurzem Witwe geworden ist und jetzt als Tagelöhnerin versucht die Familie zu ernähren. Es ist ein sehr trauriges Bild und trotzdem sind es unglaublich liebe und freundliche Menschen dort. Aber sie bauen sich wirklich ihr Heim aus Müll, den sie so am Straßenrand finden. Das ist unglaublich, wenn man das so sieht. Aber in Indien gibt es keine soziale Absicherung, auch nicht für eine Frau, die ihren Mann verloren hat und nun ihre Kinder versorgen muss. Würde die Stiftung solchen Menschen nicht helfen, würde es ihnen noch schlechter gehen. Sobald der Monsun kommt, wird das Wasser durch ihr Haus laufen und die Gefahr von Krankheiten wird sehr sehr hoch sein. Hoffentlich bekommt die Stiftung eine Möglichkeit, Land für diese Familie zu erhalten, damit sie endlich auch ein Haus haben können, das etwas erhöht ist, damit man in der Monsunzeit wenigstens im Haus im Trockenen ist.


Danach sind wir zu guten Freunden der Stiftung gefahren. Alle wollten uns bewirten, aber wir haben nur einen Kleinigkeit zum Drinken angenommen, weil wir einige Familien besucht haben. Wir kamen auch noch pünktlich zum abendlichen Prayermeeting nach Tur- Abin. Jede Woche findet freitags und sonntags hier gemeinsames Gebet statt. Meist mit guten eigenen Predigern, teilweise mit eingeladenen Predigern. Und am Abend war Haushalt dran, wie das bei ganz normalen Leuten einfach so ist.

Bisher habe ich unglaublich viele Eindrücke hier gesammelt und ich sehe die Wertschätzung der Menschen vor Ort. Sie freuen sich unbeschreiblich, wenn man nur kurz mit ihnen redet. An einer Veranstaltung haben mich ein paar Jungs gebeten, ob sie meine Kamera kurz halten dürfen, um von sich ein Bild zu machen, um so zu tun, wie wenn sie fotografieren würden. Ich kannte diese Jungs nicht und ich weiß, wäre einem meine Kamera heruntergefallen, er hätte sie nicht ersetzen können, geschweige denn, dass sie so etwas wie eine Haftpflichtversicherung kennen würden. Aber ich habe ihnen den Gefallen getan und sie haben sich gefreut, wie andere Kinder sich an Weihnachten über Berge von Geschenken freuen. Es sind einfach die Kleinigkeiten, die Menschen hier eine Freude bereiten. Und selbst nur einen kurzen Moment mit Weißen zu reden, bereitet denen so viel Freude, dass sie gar nicht merken, wie groß die Freude bei mir ist, dass man so frei mit ihnen reden kann und einfach so ins Gespräch kommen kann. Ich liebe diese Land mit seinen hübschen, liebenswerten und oft tiefgläubigen Menschen. Eine Bibel gleich im Eingangsbereich ist hier keine Seltenheit. Würde das Buch der Bücher nur auch in unserem industrialisierten Westen so einen Stellenwert einnehmen.

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